Meetingbox oder Telefonzelle? Raum-in-Raum-Systeme im Vergleich

Jemand telefoniert im Treppenhaus, weil im Open Space kein Platz für ein vertrauliches Gespräch ist. Zwei Kollegen stehen am Ende des Flurs und besprechen ein Angebot im Stehen. Der Besprechungsraum ist bis 16 Uhr belegt, und zwar von einer Person mit Headset.

Wer solche Szenen im eigenen Büro wiedererkennt, landet früher oder später bei Raum-in-Raum-Systemen. Die Frage ist dann selten, ob so eine Lösung Sinn ergibt. Sie lautet: Reicht eine Telefonzelle, oder brauchen wir eine Meetingbox? Und woran erkennt man, ob eine Box hält, was das Datenblatt verspricht?

Wir planen seit über 30 Jahren Büros in München und Oberbayern und haben Boxen von verschiedenen Herstellern aufgebaut, gemessen und im eigenen Showroom stehen. Dieser Artikel fasst zusammen, worauf es bei der Auswahl ankommt.

Telefonbox, Meetingbox, Raum-in-Raum: die Größenklassen

Der Markt benutzt die Begriffe uneinheitlich. Praktisch lassen sich vier Klassen unterscheiden, und die Zuordnung entscheidet über fast alles Weitere: Preis, Statik, Lüftungsaufwand, Genehmigungsfragen.

TypPersonenFlächeTypische Nutzung
Telefonbox / Solo1ca. 1 bis 1,5 m²Telefonate, Videocalls, 15 bis 30 Minuten
Fokusbox1 bis 2ca. 2 bis 3 m²konzentriertes Arbeiten, längere Calls
Meetingbox3 bis 4ca. 4 bis 6 m²Abstimmungen, Bewerbungsgespräche, Hybrid-Meetings
Raum-in-Raum-Kabine6 bis 10ab ca. 9 m²vollwertiger Besprechungsraum ohne Umbau

Die Telefonbox ist meistens eine Stehlösung mit Ablage oder Barhocker. Sie ist bewusst unbequem gebaut, damit niemand sie zwei Stunden blockiert. Ab der Meetingbox reden wir über echte Möblierung: Tisch, Stühle, Monitor, Steckdosen, oft eine Kameraposition, die im Videocall nicht in eine Wand blickt.

Die größte Klasse grenzt an den klassischen Systemtrennwandbau. Hier lohnt der Vergleich mit einer gemauerten oder in Trockenbau erstellten Kabine, weil der Preisvorteil des Fertigsystems bei dieser Größe schrumpft.

Was die dB-Angabe wirklich aussagt

Das ist der Punkt, an dem die meisten Angebote unvergleichbar werden. Hersteller nennen Dezibelwerte, die sich auf völlig unterschiedliche Messverfahren beziehen.

Ein Wert wie „über 40 dB“ bezieht sich in der Regel auf das bewertete Schalldämm-Maß der Wandkonstruktion, gemessen im Prüflabor. Das ist eine Aussage über das Bauteil, nicht über die fertig aufgebaute Box im Raum. Die Palmberg-Box in unserem Showroom erreicht in diesem Verfahren über 40 dB, und man hört den Unterschied zu leichteren Konstruktionen sofort.

Seit 2020 gibt es mit der ISO 23351-1 eine Norm, die genau für diese Produktgruppe gemacht ist. Sie misst, um wie viel Dezibel eine Box den Sprachpegel senkt, und teilt das Ergebnis in Klassen von D bis A+ ein. Für Vertraulichkeit im normalen Büro gilt eine Minderung von mindestens 25 dB als Untergrenze. Die Spitzenklasse A+ beginnt oberhalb von 33 dB, und die erreichen nur wenige Kabinen am Markt.

Der Unterschied zum Wandwert ist wichtig: Diese Norm bewertet die fertige Box, nicht ein einzelnes Bauteil im Prüfstand. Fragen Sie deshalb nach der Klasse nach ISO 23351-1 und nach dem Prüfbericht einer unabhängigen Stelle. Ohne diese Einordnung lassen sich zwei Angebote schlicht nicht vergleichen.

Praktisch bedeutet das: Bei etwa 25 dB Sprachpegelminderung dringt Sprache noch als Murmeln nach außen, einzelne Wörter sind aber nicht mehr sicher zu verstehen. Bei 30 dB und mehr wird auch das Murmeln im normalen Bürogeräusch unhörbar. Wer eine Box für Personalgespräche oder Patientendaten anschafft, sollte nicht unter Klasse B einkaufen.

Zwei Einschränkungen gehören dazu, weil sie in Verkaufsgesprächen gern untergehen.

Erstens wirkt die Dämmung in beide Richtungen unterschiedlich. Eine Box hält Ihr Gespräch drinnen. Ob sie den Großraumlärm draußen hält, ist eine andere Frage, und gerade bei Glasfronten fällt das Ergebnis oft schwächer aus, als Nutzer erwarten.

Zweitens ist die Box keine Raumakustik. Sie ist eine Insel. Steht sie in einer hallenden Halle mit Betondecke und Estrich, bleibt der Raum drumherum genauso laut wie vorher. Die Reihenfolge sinnvoller Maßnahmen ist immer dieselbe: erst die Decke, dann die Wände, dann die Möblierung, zuletzt Teppich und Pflanzen. Wie diese Hierarchie funktioniert und was die einzelnen Schritte bringen, haben wir im Grundlagenartikel zum Schallschutz im Büro beschrieben. Eine Box ersetzt keinen dieser Schritte, sie ergänzt sie.

Wenn die baulichen Voraussetzungen schlecht sind, sagen wir das. Es gibt Räume, in denen auch die beste Kabine nur einen Teil des Problems löst.

Lüftung: der unterschätzte Unterschied

Eine Telefonbox hat ein Innenvolumen von grob 2 bis 3 Kubikmetern. Bei geschlossener Tür steigt der CO₂-Gehalt darin schnell. Eine Telefonbox hat einen Innenraum von grob 2 bis 3 Kubikmetern. Das ist ungefähr so viel Luft wie in einem Kleiderschrank. Bei geschlossener Tür ist sie schnell verbraucht, ohne aktive Lüftung nach zehn bis fünfzehn Minuten deutlich spürbar. Genau deshalb stehen manche Boxen im Büro einfach leer.

Beim Vergleich von Angeboten hilft es, vier Dinge zu erfragen. Wie stark die Box belüftet wird und ob dieser Wert für die leere oder für die besetzte Box gilt. Ob die Lüftung von selbst anspringt, sobald jemand die Tür schließt, und wie lange sie danach noch nachläuft. Wie laut der Lüfter selbst ist, angegeben in dB(A). Und ob ein Filter verbaut ist, der regelmäßig gewechselt werden muss.

Der dritte Punkt wird am häufigsten übersehen, kostet in der Praxis aber am meisten. Alles oberhalb von etwa 35 dB(A) empfinden die meisten Menschen bei geschlossener Tür als störend. Wir haben Boxen erlebt, in denen Nutzer die Lüftung abgeschaltet und stattdessen die Tür offen gelassen haben. Damit ist der Zweck der Box erledigt.

Dazu kommt die Wärme. Ein Mensch, ein Laptop, ein Monitor und die Beleuchtung heizen einen so kleinen Raum spürbar auf. Steht die Box im Sommer an einer Südfassade, wird sie ohne Kühlung oder ausreichenden Luftaustausch unbenutzbar. Bei Meetingboxen für vier Personen ist das kein Randthema mehr, sondern ein Grund, einzelne Modelle von vornherein auszusortieren.

Brandschutz und Genehmigung früh klären

Das ist der Punkt, an dem Projekte kippen, und zwar meistens spät.

Eine Raum-in-Raum-Lösung ist ein geschlossenes Gebilde innerhalb eines bestehenden Brandschutzkonzepts. Steht das Gebäude unter Sprinklerschutz, unterbricht eine geschlossene Boxdecke die Wirkung der darüberliegenden Sprinkler. Je nach Konzept braucht es dann einen eigenen Sprinklerkopf in der Box, eine offene oder gitterartige Decke oder eine dokumentierte Freigabe. Dasselbe gilt für Rauchmelder.

Zweiter Punkt sind die Flucht- und Rettungswege nach ASR A2.3. Eine Box, die einen Verkehrsweg auf unter die geforderte Mindestbreite verengt oder eine Fluchttür verstellt, ist nicht genehmigungsfähig, egal wie gut sie klingt. Auch die Türöffnungsrichtung der Box selbst spielt hinein.

Dritter Punkt ist das Brandverhalten der Materialien. Für Bürogebäude wird üblicherweise mindestens schwer entflammbar nach DIN 4102-1 verlangt, bei Sonderbauten mehr. Lassen Sie sich die Prüfzeugnisse geben, nicht nur die Zusage.

Unsere Empfehlung aus der Praxis: Binden Sie den Brandschutzbeauftragten und, im Mietobjekt, den Vermieter ein, bevor Sie ein Modell auswählen. Nicht danach. Eine nachträgliche Änderung des Deckenaufbaus kostet mehr als die Differenz zwischen zwei Herstellern.

Barrierefreiheit ist eine Größenfrage

Sobald eine Box zum Arbeitsplatz oder zum regulären Besprechungsort wird, gelten dieselben Anforderungen wie für andere Räume. Die DIN 18040-1 nennt eine nutzbare Türdurchgangsbreite von mindestens 90 cm und eine Bewegungsfläche von 150 mal 150 cm im Innern. Bedienelemente sollen in etwa 85 cm Höhe erreichbar sein.

Eine Ein-Personen-Telefonbox erfüllt das nie. Sie ist dafür auch nicht gedacht. Sobald aber ein Team dauerhaft in Boxen arbeitet, muss mindestens eine barrierefreie Variante dabei sein.

Zwei Details werden dabei regelmäßig übersehen. Viele Boxen stehen auf einer Bodenplatte mit fünf bis zehn Zentimetern Aufkantung, also einer Schwelle. Es gibt bodenbündige Ausführungen und Rampen, sie müssen nur mitbestellt werden. Und bei Glasflächen sind Markierungen auf zwei Höhen erforderlich, damit die Scheibe erkennbar ist.

Barrierefreiheit betrifft nicht nur Rollstuhlnutzer. Für Menschen mit Hörgerät kann eine Box mit induktiver Höranlage der Unterschied zwischen Teilnahme und Ausschluss im Meeting sein.

Modular oder fest eingebaut?

Modulare Boxen werden zerlegt angeliefert und lassen sich später umsetzen oder rückstandsfrei entfernen. Manche Modelle haben Aufnahmen für Hubwagen und können im Ganzen versetzt werden. Fest eingebaute Systeme werden an den Bestand angepasst, nutzen die Grundfläche besser aus und wirken weniger wie ein Fremdkörper im Raum.

Der Mietvertrag entscheidet die Frage meistens von allein. Bei einer Restlaufzeit unter fünf Jahren oder einer Rückbauverpflichtung im Vertrag raten wir zur modularen Lösung. Sie zieht mit um, und beim Auszug bleibt kein Eingriff in die Bausubstanz zurück.

Steuerlich kann die Einordnung als bewegliches Wirtschaftsgut gegenüber einem Einbau einen Unterschied bei der Abschreibung machen. Das ist ein Gespräch für Ihren Steuerberater, aber es lohnt sich, es vor der Bestellung zu führen.

Was Raum-in-Raum kostet

Die Spannen sind groß, weil Ausstattung und Schalldämmung stark variieren. Als Orientierung für den Kauf:

TypPreisrahmen
Telefonbox, 1 Personca. 6.000 bis 12.000 €
Meetingbox, 4 Personenca. 15.000 bis 30.000 €
Raum-in-Raum-Kabine, 6 bis 8 Personenab ca. 30.000 €

Preistreiber sind vor allem die Schalldämmklasse, der Glasanteil, die Lüftungstechnik mit Sensorik sowie eingebaute Medientechnik. Dazu kommen Positionen, die im Erstangebot gern fehlen: Anlieferung, Aufbau, Elektroanschluss durch eine Fachkraft und gegebenenfalls ein Kran oder Aufzugseinsatz.

Damit zum häufigsten Stolperstein überhaupt. Prüfen Sie vor der Bestellung die Anlieferung. Aufzugsmaße, Türbreiten, Wendekreise im Flur, Deckenhöhe am Aufstellort und die Tragfähigkeit der Decke. Eine Meetingbox wiegt je nach Ausführung mehrere hundert Kilogramm. Wir haben schon Boxen erlebt, die im Erdgeschoss standen, weil sie nicht in den dritten Stock passten.

Wenn die Nutzung noch unklar ist, ist Mieten eine Alternative. Über unsere Mietmöbel-Lösungen lässt sich eine Box für ein Projekt oder eine Testphase beschaffen, ohne dass eine Fehlentscheidung dauerhaft im Raum steht.

Wie viele Boxen braucht ein Büro?

Als Ausgangspunkt für die Planung rechnen wir im Open Space mit einer Telefonbox je 10 bis 15 Arbeitsplätze und einer Meetingbox je 25 bis 30 Arbeitsplätze. Bei hohem Videocall-Anteil liegt der Bedarf höher.

Verlassen Sie sich nicht allein auf die Faustregel. Eine Woche Beobachtung reicht meistens: Wer telefoniert wo, wie lange, und wie oft weicht jemand ins Treppenhaus aus? Wenn Boxen chronisch belegt sind, kehren die Leute zum alten Verhalten zurück, und die Investition verpufft. Ein einfaches Buchungssystem hilft bei Meetingboxen, bei Telefonboxen stört es eher.

Vorher ausprobieren

Datenblätter beantworten die entscheidende Frage nicht: Wie fühlt sich die Box an, wenn die Tür zu ist?

In unserem Showroom in Schweitenkirchen auf 500 m² steht unter anderem eine „mute“ Box zum Ausprobieren. Nehmen Sie sich zehn Minuten und testen Sie vier Dinge. Lassen Sie jemanden draußen in normaler Lautstärke sprechen und hören Sie hinein. Telefonieren Sie selbst und lassen Sie draußen zuhören. Achten Sie bei geschlossener Tür auf das Lüftergeräusch. Und bleiben Sie lange genug drin, um zu merken, wann die Luft knapp wird.

Wir sind herstellerunabhängig und verkaufen keine eigene Boxlinie. Das heißt, wir dürfen Ihnen auch sagen, wenn ein günstigeres Modell für Ihren Anwendungsfall reicht oder wenn eine Box das falsche Werkzeug für Ihr Problem ist.

Einen Überblick über unsere Raum-in-Raum-Lösungen und wie wir sie in Ihre Bürofläche integrieren, finden Sie auf unserer Leistungsseite Raum-in-Raum.

Wenn Sie ohnehin über Ihre Bürofläche nachdenken, schauen wir uns die Akustik gleich mit an. Sprechen Sie uns an, wir kommen für einen ersten Blick auch vorbei.